Der Perfektionist: HTC 10 offiziell vorgestellt

Von: Jonas / Am: / In: HTC 10, News

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Endlich hat HTC das Geheimnis gelüftet: In einem Livestream-Event hat der taiwanische Smartphonehersteller sein diesjähriges Flaggschiffgerät offiziell vorgestellt. Anders als die Vorgängermodelle trägt es kein One im Titel, sondern hört auf den simplen Namen HTC 10. Wir durften bereits im Vorfeld einen Blick auf das Schmuckstück werfen und verraten euch, was wir vom neuen Über-Phone halten.

Mit dem 10 will HTC wieder zurück an die Speerspitze der Smartphoneentwicklung. Das soll zuerst eine neue Nomenklatur verdeutlichen. Mit der numerischen Alleinstellung soll das Mobiltelefon Perfektion und Klasse ausstrahlen. Weil dahinter sicher auch eine Menge Marketing steckt, wollen wir dann doch lieber einen Blick auf die harten Fakten werfen – zuerst auf das Design. Wie auch die Vorgänger kommt das HTC 10 mit einem Aluminium-Unibody-Gehäuse daher, das aus einem Block gefräst und auf der Rückseite zusätzlich sandgestrahlt wird. Die jetzt breiteren Kanten werden zusätzlich geschliffen und rufen so interessante Lichtreflexionen hervor. Auch weiterhin setzt HTC auf eine gerundete Form, die an der dicksten Stelle – der etwas herausstehenden Kamera – 9 mm und an der Kante nunmehr 3 mm beträgt. Dadurch ergibt sich ein angenehmes Tragegefühl.

Die Frontseite besteht wie beim kleineren Bruder One A9 aus einer Glasfläche von Corning Gorilla, die an den Seiten leicht abgerundet ist und deshalb den Zusatz „2,5D“ trägt. Die größte Neuerung macht sich unterhalb des Displays bemerkbar: HTC verzichtet nämlich auf das Logo und verbaut stattdessen den ebenfalls vom A9 bekannten Fingerabdruckscanner. Er kann zudem als Homebutton verwendet werden. Neben ihm befinden sich rechts und links die kapazitiven Softkeys, die ab sofort die Softwarebuttons ersetzen. Damit vergrößern die Taiwaner effektiv die permanent nutzbare Displayfläche. Insgesamt betragen die Ausmaße 145,9 x 71,9 mm und das Gewicht 161 g.

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Viel interessanter dürften allerdings die inneren Werte erscheinen. Für die richtige Sicht auf die Dinge sorgt ein 5,2 Zoll großes SLCD5-Display mit QuadHD-Auflösung, also 2560 x 1440 Pixel. Die Pixeldichte beträgt damit 564 ppi. Die Farben werden so satt dargestellt, dass man vermuten könnte, ein AMOLED-Exemplar würde hinter der Glasfläche stecken. HTC erreicht nach eigener Auskunft 92% der NTSC-Farbraumabdeckung, also 30% mehr Farben als beim Vorgängerpanel. Auch in Sachen Responsibilität konnten sich die Taiwaner verbessern: Eingaben werden innerhalb 120 ms umgesetzt, das aktuelle Flaggschiff Galaxy S7 des Mitbewerbers Samsung benötigt durchaus spürbare 163 ms.

Befeuert wird das Flaggschiff vom neuen Snapdragon 820 Quad-Core-Prozessor in 64-Bit-Architektur und bis 2,2 GHz Taktleistung. Klingt erst einmal wenig, liefert allerdings beachtliche Benchmarkwerte. Im AnTuTu-Benchmark erreicht das HTC so 147.000 Punkte (S7: 134.000, LG G5: 131.000, Huawei P9: 99.000), im Vellamo-Benchmark 3245 Punkte. Die Adreno 530 GPU ermöglicht eine ordentliche Darstellung. Für ein mehr als ordentliches Arbeitstempo sorgen 4 GB DDR4-RAM. Der interne Speicher beträgt 32 GB, die per microSD-Karte um bis zu 2TB erweitert werden können. Auch die Flex Storage Funktion ist mit an Bord, die ermöglicht, die Speicherkarte als internen Speicher zu implementieren.

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Im One M7 fand die UltraPixel-Technologie erstmals den Weg in ein Smartphone und nun kommt im 10 die zweite Generation zum Einsatz. Der 1/2.3 Zoll große Bildsensor bietet eine Auflösung von knackigen 12 Megapixel und die Pixelgröße beträgt nunmehr 1,55 µm (One M7: 1,12 µm). Das sind 63% mehr als beim iPhone 6S, 54% mehr als beim jüngst vorgestellten Huawei P9 und immernoch 23% mehr als beim Samsung Galaxy S7. Dank einer Blende von f/1.8 und einem 6-teiligen Linsensystem sind auch bei schlechten Lichtbedingungen ansprechende Ergebnisse möglich. Innerhalb 0,6 Sekunden ist die Kamera gestartet und der neue, extrem schnelle Laserfokus kann seine Dinge verrichten. Für wackelfreie Bilder sorgt ein nicht mehr selbstverständlicher optischer Bildstabilisator. Bei schummrigem Licht kann die Dual Tone LED genutzt werden. Für noch mehr künstlerischen Spielraum und natürlich Qualität ist wieder der Pro-Modus an Bord, über den Einstellungen manuell getroffen und Fotos anschließend im RAW-Format gespeichert werden können – das sogar mit 12-Bit-Unterstützung (Vorgänger M9: 10 Bit).

Im ersten Hands-On überzeugt das Modul auf ganzer Linie und konnte bessere Ergebnisse als Apples iPhone 6S Plus erzielen. Im Branchenbenchmark DxOMark egalisiert die Kamera den jüngst aufgestellten Bestwerk des Galaxy S7 mit beachtlichen 88 Punkten. Wie sich das Modul im Alltag schlägt, wird der ausführliche Test in den nächsten Wochen zeigen. Dann können wir auch einen tieferen Blick auf die 4K-Videofunktion werfen, die Audio in Hi-Res aufnimmt. Zudem steht ein neuer 720p-Zeitlupenmodus zur Verfügung, der Bewegtbilder mit 120 fps aufzeichnet. Erhöhtes Augenmerk haben die HTC-Ingenieure auf die Frontkamera gelegt. Sie löst mit 5 Megapixel auf und bietet erstmals einen optischen Bildstabilisator. Auch am Sensor wurde gearbeitet: Er bietet nunmehr eine Pixelgröße von 1,34 µm. Die Brennweite des Linsensystems liegt bei 23 mm, die Blende beträgt bis zu f/1.8. Dank 86° Weitwinkel können auch mehrere Personen problemlos abgelichtet werden. Bei schlechten Lichtbedingungen aktiviert sich der Screen Flash und verbessert so die Ausleuchtung spürbar.

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Apropos Verbesserung: Beim One M7 ist HTC mit der BoomSound-Technologie ein echter Quantensprung in Sachen mobiler Soundqualität gelungen. Seitdem stehen besonders die One-Geräte für erstklassige Klangqualität. Und das soll nun auch beim HTC 10 so sein. Die Taiwaner verändern dabei allerdings etwas das Prinzip: Während in den letzten Jahren durchgängig Stereo-Lautsprecher zum Einsatz kamen, empfinden die Ingenieure beim 2016er Flaggschiff einen herkömmlichen (Mono-)Lautsprecher nach. Das heißt die Hörmuschel im oberen Gerätebereich fungiert als Hochtöner. Sie gibt die Höhen wider. Auf der Unterseite befindet sich wiederum ein Tieftöner, der Tiefen und Bässe widergibt. Mit einem beachtlichen Ergebnis.

Unterstützt werden die Speaker von einem dedizierten Hi-Res-Audiochip, der Dolby Audio zertifiziert ist und 24-Bit-Unterstützung bietet. Zusätzlich spendiert HTC neue, hochwertige In-Ear-Kopfhörer, die im Klangbereich zwischen 10 Hz und 40.000 Hz arbeiten und im Handel gut und gern dreistellige Beträge wert wären. Da sich das Audioempfinden im Laufe des Lebens ändert, spendiert HTC zudem ein umfangreiches, vor allem aber nützliches Tool. Wahlweise über kurze Fragen (Alter, Musikstil, Hörhäufigkeit, Lautstärke) oder einen ausgeklügelten Klangtest (wann wird welcher Ton gehört) stellt die Software eine passende Soundkurve auf. Auch an der Audio-Aufnahme haben die Taiwaner geschraubt: Das Mikrofon bzw. die Mikrofone unterstützen Hi-Res-Audio und stellen so den neuen Benchmark im Smartphone-Segment dar. Drei Mikrofone helfen zudem bei der Geräuschunterdrückung.

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Auch im Bereich Funk und Konnektivität gibt sich HTC mit dem 10 keinerlei Blöße. So unterstützt das Smartphone LTE Cat mit Downloadraten bis zu 450 Mbit/s und Uploadgeschwindigkeiten von 50 Mbit/s. WLAN ist mit den Standards a/b/g/n/ac sowohl im 2,4 als auch 5-GHz-Frequenzband verfügbar. Weiterhin ist Bluetooth 4.2, GPS, GLONASS, Beidou sowie NFC im Gerät integriert. Neben DLNA, Miracast und Google Cast unterstützt das HTC 10 als einziges Android Telefon Apples AirPlay. Außerdem gibt’s mit HTC Connect ein leistungsstarkes Tool für kabelloses Streaming von Medien auf Multi-Room-Audio-Systeme, TVs oder auch tragbare Lautsprecher.

Kritik musste in den letzten Jahren immer wieder das Akkumodul einstecken. Beim HTC 10 soll das nicht mehr nötig sein. Der Energiespeicher bietet eine Kapazität von 3.000 mAh und soll eine Sprechzeit von bis zu 27 Stunden bieten. Im Stand-By sollen 19 Tage möglich sein. Im Alltag sollen laut HTC zwei Tage ohne Steckdose möglich sein. Dabei helfen soll das optionale Herunterskalieren der Apps auf FullHD und natürlich der Energiespar-Modus. Im „Extremfall“ kann der Extreme Energiespar-Modus verwendet werden. Für das Aufladen – wie auch für die kabelgebundene Datenübertragung – steht ein USB Type C-Anschluss in Version 3.1 zur Verfügung. Dank Quickcharge 3.0 können 50% der Kapazität in 30 Minuten aufgeladen werden. Im Lieferumfang befindet sich ein entsprechendes Netzteil (Type C auf Typ A), das Ladeströme von 2A zulässt.

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Als Betriebssystem kommt selbstverständlich die neueste Android-Version 6.0.1 Marshmallow zum Einsatz inklusive der neuen, deutlich schlanker gehaltenen Nutzeroberfläche Sense 8.0. Mit Blinkfeed im Material Design und flach gehaltenen Icons fügt es sich lückenlos in das Erscheinungsbild von Android ein und bildet eine tolle Einheit. Auch der Theme Designer ist mit zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten wieder mit an Bord. Neu ist die verstärkte Integration von Google Diensten. So ist die HTC Kamera nahtlos mit Google Photos verbunden, Termine werden im vorinstallierten Google Kalender angezeigt. Das heißt allerdings nicht, dass Käufer auf die HTC-App verzichten müssen. Alle HTC-Anwendungen sind weiterhin im Play Store verfügbar und können nachträglich installiert werden. Das beim One M8 eingeführte Dot View Cover erfährt mit dem HTC 10 eine Weiterentwicklung und ist als Ice View Cover verfügbar. Durch das deutlich feinere Gitter kann sogar die Kamera-App genutzt werden ohne den Deckel öffnen zu müssen.

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Bleibt noch die Frage nach Verfügbarkeit und Preis. Das HTC 10 kann ab sofort in den Farben Carbon Grey, Glacier Silver und Topaz Gold vorbestellt werden. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 699 Euro. Das ist mehr als in Ordnung und 50 Euro weniger als beim Vorgängermodell One M9. Wer sein Gerät bei O2 ordert bekommt zudem leistungsstarke AKG On-Ear-Kopfhörer dazu. Die ersten Smartphones sollen Anfang Mai den Weg zu den Käufern finden. Insgesamt bietet HTC mit 10 ein potentes, funktionsstarkes und qualitativ hochwertiges Mobiltelefon an, das den Vergleich mit den Mitbewerbern in keinem Bereich scheuen muss. Wir freuen uns schon jetzt wie Bolle auf das Testgerät und werden euch zeitnah einen ausführlichen Bericht zur Alltagstauglichkeit liefern.

Was haltet ihr vom neuen Flaggschiff HTC 10? Würdet ihr euch das Smartphone zulegen?

Alle Hands-On-Fotos gibt’s im folgenden Album:

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  • B Nerme

    Schön schön, aber wenn ich mir überlege, dass mein damals erstes HTC das damalige TOP Gerät HTC Desire nur 450 Euro gekostet hat…. Naja 699 Euro sind mittlerweile für ein Flaggschiff fast schon Standard. Wobei andere Hersteller bei ihren Geräten immer noch auf leicht erschwingliche und schnell produzierte billig Plastik Produkte setzen dennoch den gleichen oder höheren Preis verlangen.

  • Frank Eugen

    Immerhin geht HTC endlich wieder den richtigen Weg.Allerdings hat HTC bei den Käufern in den letzten Jahren auch viel an Vertrauen verloren, mich eingeschlossen. Mal sehen,ob das neue Phone ausreicht, wieder Kunden zurück zu gewinnen.

  • Gustl

    Wie sieht es eigentlich mit dem Infrarotsender aus? Ist bei meinem M8 nicht mehr wegzudenken.

    • http://jonas-haller.de/ Jonas

      Ja, der IR-Sender wurde leider weg rationalisiert. Angeblich verwendeten ihn die Käufer und Nutzer nie.

  • B Nerme

    Scheint wohl nicht mehr dabei zu sein, die App dafür wurde ja auch schon vor langer Zeit eingestellt. Ich weis ja nicht aber das Designe ist jetzt auch langsam ausgelutscht. HTC hätten lieber in Richtung des A9 gehen sollen gefiel mir mehr. Hätte nur das A9 nicht solche Display Probleme, von 9 Geräten bei MM hatten 8 leicht bis starken Gelbstich.

  • Goldi

    Ist irgendetwas näheres dazu bekannt, ob es andere Ice View Covers geben wird? Ich fand das Dot View beim M8 als bestes (Ver)Kaufsargument (z.B. um ohne die Augen im Dunklen großartig zu “blenden” die Uhrzeit zu überprüfen), allerdings hasse ich Softcovers wie die Pest.

    • HTC Follower

      habe schon was im HTC Zubehör Shop gesehen

      Müsst man schon vorbestellen können.

  • HTC Follower

    Eigentlich ein perfektes Smartphone, das HTC 10.

    Mich stören nur 2 Dinge:
    – Kopfhöreranschluss nicht mehr unten sondern oben
    – Infrarot Sender nicht mehr vorhanden

    Auch hoffe ich, dass noch eine Max version mit mindestens 5,5 Zoll folgt.

    Weiter so HTC

  • Charan

    Kommt eig noch ein Review?

    • http://jonas-haller.de/ Jonas

      Hi Charan! Da wir erst diese Woche unser Testgerät erhalten haben, wird der Testbericht erst Ende Mai kommen…