HTC Desire 626: Mittelklasse-Smartphone im Test

Von: Jonas / Am: / In: HTC Desire 626, Testberichte

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Vor einigen Wochen erreichte uns unser Testgerät des Desire 626, einem neuen Mittelklasse-Gerät des taiwanischen Smartphone-Herstellers HTC. Die ersten Eindrücke waren seinerzeit eher mittelmäßig. Nun ist es also an der Zeit die Langzeit-Erfahrungen mit euch zu teilen und zu klären, ob sich der negative Ersteindruck womöglich zum Besseren gewendet hat.

Design und Verarbeitung

Typisch für HTCs Mittelklasse-Serie Desire ist das flache Kunststoffgehäuse, das auch beim 626 zum Einsatz kommt. In seiner länglichen (146,9 x 70,9 mm, allerdings flachen Bauform (8,19 mm) hebt es sich von Konkurrenten wie dem Motorola Moto G ab und liegt sehr gut in der Hand. Positiv sticht vor allem das geringe Gewicht von 135g hervor. Die Silikon-Rückseite könnte allerdings noch etwas rutschfester sein – aus kleinen Händen könnte es schnell herausrutschen. Nichts zu meckern gibt es in Sachen Verarbeitung. Zwar kommt beim Gehäuse des Desire 626 nicht die One-Shot-Technologie zum Einsatz, allerdings sucht man variierende Spaltmaße und ungenaue Passungen vergebens.

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Display

Eine für die Mittelklasse gute Leistung bietet das verbaute 1280 x 720 Pixel auflösende 5 Zoll große SLCD2-Display. Mit 294 Pixel per Inch bietet es eine mehr als ausreichende Pixeldichte und zeigt Inhalte ohne unangenehm auffallenden Bildpunkte an. Auch wenn die Farbdarstellung nicht ganz an AMOLED-Pendants heranreicht, bietet das Panel doch eine ausreichende Helligkeit und einwandfreie Blickwinkelstabilität. Wie bei spiegelnden Smartphone-Displays üblich stößt es jedoch bei starker direkter Sonneneinstrahlung an seine physikalischen Grenzen. Dann sind Inhalte nur schwer ablesbar.

Performance und Speicher

HTC verbaut beim Desire 626 einen aktuellen Snapdragon 410 Quad-Core-Prozessor mit bis zu 1,2 GHz Taktleistung. Im Alltag verrichtet der Chip seine Leistung mehr als gut und ermöglicht dank 2 GB Arbeitsspeicher ein flüssiges Nutzen des Telefons. Dass es sich beim Modul nicht um ein High-End-Exemplar handelt, wird jedoch schnell bei leistungshungrigen Anwendungen und Spielen sichtbar. Die Software regelt dann die Anzeigequalität bei gleichbleibender Auflösung herunter. Das lässt sich auch mit Zahlen belegen. So erreichte das Mittelklasse-Smartphone rund 23.500 Punkte im AnTuTu-Benchmark. Auch der Grafik-Test GFX-Bench offenbarte die Schwächen des Grafikmoduls.

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Der interne Speicherplatz umfasst 16 GB, der über eine externe microSDXC-Karte um bis zu 512 GB erweitert werden kann. Die sollte auch dringend genutzt werden, denn beim Test waren die rund 11 GB letztendlich verfügbarer Speicher etwa durch App-Installationen schnell aufgebraucht.

Kamera

Wenig rühmlich zeigte sich beim ersten Hands-On die 13 Megapixel-Kamera. Das änderte sich auch in den letzten Wochen nicht. Nahezu zeitgleich konnte ich einige Tage die dritte Generation des Motorola Moto G testen und unter anderem Vergleichsaufnahmen schießen. Gegenüber der sehr guten Kamera des amerikanischen Konkurrenten müssen deutliche Abstriche in Sachen Farbwiedergabe gemacht werden. So ist ein deutlicher Blaustich erkennbar. Auch die Schärfe ist verbesserungswürdig. Das wird bei einer 100%igen Vergrößerung sichtbar. Die Bilder des Desire 626 sind verwaschen und erinnern eher an ein Gemälde. Da hilft es auch nicht, dass die App HTC-typisch übersichtlich und einfach zu bedienen ist.

Sound

Auf dem ersten Blick scheint es, als ob HTC beim neuen Mittelklasse-Smartphone die BoomSound-Stereolautsprecher verbaut. Doch der Schein trügt: Lediglich der untere Lautsprecherstreifen beherbergt einen Medienlautsprecher. Oben befindet sich die Hörmuschel für Telefonate. Die Soundqualität bei der Audiowiedergabe ist mehr schlecht als recht und zeigt wieder einmal wo die Taiwaner gespart haben. Schon bei etwas mehr als mittlerer Lautstärke fängt der Lautsprecher an zu plärren, übersteuert jedoch zu keiner Zeit. Für das Musikhören in Bus und Bahn liefert HTC zwar ein entsprechendes Headset mit, das in Sachen Tonqualität jedoch ebensowenig glänzen kann.

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Akku

Das von HTC fest verbaute Akkumodul kommt mit einer Nennleistung von 2.000 mAh daher. Anders als dieser geringe Wert vermuten lässt, schafft man es damit bei normaler Nutzung (Mail, Nachrichten, WhatsApp, Casual Games) locker über den Tag. Verwendet man das Telefon seltener und schaut nur dann und wann bei Facebook, Twitter und Co. vorbei, sind 1,5 Tage drin. Aktiviert man dann noch den HTC-eigenen Energiesparmodus sind zwei Tage ohne Steckdose durchaus möglich. Das vollständige Laden dauert ungefähr 2 Stunden.

Software

Die Taiwaner liefern das Desire 626 mit der Android-Version 5.0.2 inklusive Sense 7.0 und dem Newsstream Blinkfeed aus. Das System schnell und performant. Ein besonderes Augenmerk legt HTC in der 2015er Version der Nutzeroberfläche Sense auf Individualisierbarkeit. Über eine eigene Theme-App können Designs heruntergeladen, aber auch selbst entworfen werden. Neben diesen Anpassungsmöglichkeiten sind es kleinen Gimmicks, die das User Interface auszeichnen. So können die Setting-Verknüpfungen in der Benachrichtigungsleiste schnell den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Auch das mächtige Einstellungsmenü kann darüber geöffnet werden. Power-User des Google Play Store können im App-Drawer einen Schnellzugriff nutzen.

HTC Themer

Entscheidet man sich für das Desire 626 erhält man auch einige vorinstallierte Anwendungen. Das mag für den ein oder anderen nervig sein, stellt hier aber durchaus einen Mehrwert dar. Nennenswert sind dabei die HTC Backup-App, Polaris Office oder auch der Sprachrekorder und Power To Give. Alles in allem bieten die Taiwaner hier ein stimmiges Software-Paket.

Fazit

Im Test hinterließ das Desire 626 sowohl Licht als auch Schatten. Licht, weil es in Sachen Design ein schickes Mobiltelefon mit einem geringen Gewicht sowie schneller Software punkten konnte. Auch die Akkulaufzeit überraschte positiv. Auf der Schattenseite befindet sich die nicht mehr zeitgemäße Kamera, die zwar mit einer hohen Auflösung, aber schlechter Qualität daherkommt. (Zumal HTC das Gerät auf seiner Webseite mit dem Slogan “Dein Leben in High Definition” anpreist.) Ebenso könnten die verbauten Lautsprecher etwas besseren Klang bieten. Dass es HTC auch im Mittelklassebereich kann, beweisen sie ja unter anderem beim Desire 820. So ist es zwar ein Smartphone im schmucken Kleid, offenbart jedoch zu viele innere Schwächen, um es als Kaufempfehlung durchgehen zu lassen. Da nützt es auch wenig, dass das Mittelklasse-Smartphone bereits für unter 300 Euro zu haben ist. Schade, HTC!

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