HTC Nexus 9: Googles Premium-Tablet im Test

Von: Jonas / Am: / In: HTC Nexus 9, Testberichte

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Das Jahr 2014 hat auch für HTC einige spannende Entwicklungen bereit gehalten. So wurde in Zusammenarbeit mit dem Software-Experten Google das seit Jahren erste Tablet auf den Markt gebracht. Mit dem Nexus 9 will Google neue Wege gehen und kein preiswertes “Einsteiger”-Gerät präsentieren, sondern ein hochwertiges, leistungsstarkes High-End-Device zum Premiumpreis. Ob diese gewagte Rechnung aufgeht, soll dieser Test klären.

Design und Verarbeitung

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Der Hardware-Partner HTC hat bei der Design-Entwicklung des Nexus 9 ganze Arbeit geleistet. Zwar wurde kein Aluminium-Unibody verwendet, jedoch bietet die Alu-Fassung inklusive gummierter Kunststoff-Rückseite eine besonders gute Haptik. Das Tablet misst dabei 228,25 mm × 153,68 mm × 7,95 mm und liegt gut in der Hand. Auch die Masse von 425g in der Wifi-Version ist sehr angenehm – nicht zu schwer und doch gut handhabbar.

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Leider mussten Kunden der ersten Stunde Abstriche bei der Verarbeitungsqualität machen. Und so ist auch unser Testgerät nicht frei von Mängeln: Äußerlich fallen variierende Spaltmaße auf und auch das oft berichtete Light-Bleeding an den Displayrändern spielte bei unserem weißen Nexus 9 eine Rolle. Unschön ist auch die Bedienung der viel zu schmalen Lautstärke-Wippe – eine Hälfte der Taste ragte deutlich weiter aus dem Gehäuse heraus und die Steuerung war so etwas schwierig. Schade, denn zum Kaufpreis von 399 Euro trüben diese Dinge das Gesamtbild erheblich.

HTC Nexus 9 Lightbleeding

Display

Vernachlässigt man die Verarbeitungsfehler und ein zeitweises Flackern, so ist das 8,9 Zoll große Display eine wahre Augenweide. Mit einer Auflösung von 2048 x 1536 Pixeln (Pixeldichte: 287 ppi) und einem Bildverhältnis von 4:3 bietet sich ein richtig tolles Nutzungserlebnis – besonders beim Arbeiten, Internetbrowsen oder auch Filmschauen. Farben und Kontraste sind auf sehr hohem Niveau. Selbst bei Sonneneinstrahlung macht das LCD IPS-Panel (Helligkeit: 430 cd/qm) eine gute Figur – soweit man das in der finsteren Jahreszeit beurteilen kann. Auch die Blickwinkelstabilität kann sich im wahrsten Sinne “sehen” lassen.

Performance und Speicher

Im Inneren des Nexus 9 verbaut HTC das Beste was der Markt aktuell bietet. Der 2,3 GHz taktende Dual-Core-Prozessor kommt von Nvidia und trägt den Namen Tegra K1. Er unterstützt die 64-Bit-Architektur und kommt mit sage und schreibe 192 Grafikkernen daher (Keppler GPU). Der LPDDR3-RAM beträgt durchschnittliche 2 GB, die beim alltäglichen Betrieb vollkommen ausreichen und ein ordentliches Tempo an den Tag legen.

Die phänomenale Hardware schlägt sich auch auf Benchmark-Messwerte nieder: Im AnTuTu-Test erreicht das Tablet sagenhafte 58.600 Punkte und lässt aktuelle High-End-Smartphones weit hinter sich. Auch im Vellamo-Browsertest weiß das Nexus 9 zu überzeugen und erreicht 5468 Punkte. Besonders interessant für Grafik-Fans dürfte der 3DMark-Benchmark sein. Im “Ice Storm Unlimited”-Test erlangt das Tablet 25.299 Punkte und liegt damit knapp hinter dem Nvidia Shield Tablet (30.282 Punkte) auf Platz zwei der Android-Geräte. Leider sind längere Gaming-Orgien mit einer erheblichen Erwärmung des Kunststoffgehäuses verbunden.

Etwas unterdimensioniert ist jedoch der interne Speicher. Unser Testgerät kommt mit 16 GB daher, davon sind 11,05 GB frei nutzbar. Da der Speicher nicht erweiterbar ist, empfiehlt sich auf jeden Fall die größere 32 GB-Version zu ordern, die allerdings schon mit 489 Euro* zu Buche schlägt.

Kamera

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Selbstverständlich besitzt das Nexus 9 auch eine Haupt- und Frontkamera. Erstere sitzt in der äußersten rechten Ecke des Gerätes, löst mit 8 Megapixel auf und besitzt eine f/2.4 Blende. Videos können damit in FullHD aufgezeichnet werden. Davon abgesehen, dass ich rein gar nichts von Tabletknipser halte, ist die Qualität unterdurchschnittlich. Fotos im Freien sind noch annehmbar, sobald die Lichtverhältnisse allerdings schlechter werden, ist deutliches Rauschen sichtbar. Auch mit der 1,6 Megapixel-Frontkamera bekleckert sich HTC nicht gerade mit Ruhm. Gerade zum Videotelefonieren via Skype wäre ein stärkeres Modul wünschenswert gewesen – vor allem aufgrund des großartigen Displays. Einige Testbilder sind in der folgenden Galerie zu sehen.

Sound

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HTC spendiert dem Google-Tablet die aus den Smartphones bekannten BoomSound-Stereolautsprecher. Sie sind im rechten und linken Rand des Gerätes integriert und bieten eine im Tabletvergleich überdurchschnittliche Qualität. Bei entsprechendem Soundmaterial ist der Stereo-Effekt umwerfend. Überraschenderweise kommt das Klangerlebnis besonders im niedrigen Frequenzbereich nicht ganz an die der bekannten Mobiltelefone der Desire- oder One-Reihe heran.

Funk und Konnektivität

Das Nexus 9* ist von Haus aus mit allerhand Funkmodulen ausgestattet. Neben WLAN a/b/g/n/ac (2,4 GHz sowie 5 GHz-Frequenzband) befindet sich auch Bluetooth 4.0, NFC, und GPS/GLONASS unter der Haube. Im heimischen WLAN-Netzwerk wies das Google-Gerät eine sehr gute Reichweite auf. Mithilfe der potenten Hardware lud Web-Content schnell und flüssig, was aber auch an der fixen Software liegt. Eine entsprechende Mobilfunk-Version besitzt zusätzlich noch LTE Cat4 mit bis zu 150 MBit/s Downstream. Multimediadaten können kabellos per DLNA, Chromecast oder auch Miracast auf einem TV-Gerät im heimischen Wohnzimmer geschaut werden. Audiodateien können zusätzlich über einen 3,5mm Klinkenanschluss an Kopfhörer ausgegeben werden.

Akku

Wichtig für ein produktives, mobiles Arbeiten ist natürlich die Akkulaufzeit. HTC geizt hier nicht mit Amperestunden und verbaut ein 6.700 mAh starkes Modul in das Tablet. Damit kommt man gut über den Tag. Besonders bei höherer Auslastung in Form von aufwendigen 3D-Spielen ist die Hardware deutlich energiehungriger. Nutzt man das Nexus 9 jedoch seltener, so sind zwei Tage Nutzungszeit locker möglich.

Software

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Da es sich beim Nexus 9* um ein Google-Tablet handelt, kommt selbstverständlich das Android-Betriebssystem zum Einsatz – in der neuesten Version 5.0 Lollipop. Anders als bei HTC-eigenen Smartphones duldet Google jedoch keine angepassten Nutzeroberflächen und so erwartet uns Nutzern ein nacktes Stock-Android. Doch designverwöhnte HTC-Kunden müssen nicht traurig sein, denn die Softwareentwickler aus Mountain View haben mit der neuesten Android-Version auch an der Designschraube gedreht: Ab sofort hält das schicke “Material Design” Einzug. Google selbst wendet sich damit ab vom aufgeblasenen 3D-Design hin zum energie- und ressourcenschonenden Minimalismus. Trotzdem wird nicht an tollen Animationen gegeizt.

Apropos “nicht gegeizt”. Auch in Lollipop mangelt es dem mobilen Betriebssystem nicht an Funktionsvielfalt. Über die Einstellungen kann so gut wie alles den eigenen Bedürfnissen angepasst werden und der Play Store bietet auch weiterhin eine ganze Armada von nützlichen Apps und Spielen – teilweise auch für Tablets optimiert. Neu ist jedoch ein kleines Google-Office, das es dem Nutzer ermöglicht, schnell Textdateien, Tabellenkalkulationen oder auch Präsentationen zu Öffnen und zu Bearbeiten. Wem das nicht reicht, der kann auch auf umfangreiche Drittanbieter-Apps zurückgreifen.

Fazit

Mit dem Nexus 9* hat HTC einen kleinen Wiedereinstieg in das hart umkämpfte Tablet-Segment gemeistert. Mit Hilfe des Softwareriesen Google ist ein vollwertiges Tablet gelungen, das wahlweise auch mit einer Bluetooth-Tastatur ergänzt werden kann. Die potente Hardware um den Nvidia Tegra K1 Prozessor weiß zu überzeugen und setzt den aktuellen Benchmark in Sachen Leistungsfähigkeit und Tempo. Leider wies auch unser Testexemplar die bekannten Kinderkrankheiten der Geräte der ersten Stunde auf: Besonders die Verarbeitungsqualität ließ doch zu wünschen übrig. Ob all diese Probleme seit Mitte November wirklich behoben worden sind, konnten wir bisher nicht überprüfen.

Leider ist auch der nicht erweiterbare, interne Speicher eine Enttäuschung. Bereits nach einigen installierten Applikationen oder dem Speichern von Dateien ist das Volumen erschöpft. Ein Speicherkarten-Slot wäre doch das Mindeste gewesen – vor allem bei einem solch hohen Kaufpreis. Und da kommen wir direkt zum Preis-Leistungsverhältnis. Zwar bietet es von den Spezifikationen her das Beste, was der Markt zu bieten hat, jedoch sind es die vielen kleinen Dinge, die das positive Gesamtbild trüben. Versteht mich nicht falsch: Das Nexus 9* zu nutzen macht viel Spaß und es gibt kaum nervige Lade- bzw. Wartezeiten, allerdings sind günstigenfalls 399 Euro eben auch eine Menge Geld. Wem das nichts ausmacht, der ist mit dem HTC Nexus 9 sehr gut bedient und wird sicher seine Freude mit dem Gerät und seinen umfangreichen Funktionen haben.

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Seid ihr bereits in Besitz des Nexus-Tablets und wenn ja, wie gefällt euch das Gerät?

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