REvolution oder REinfall? HTC RE Camera im Test

Von: Jonas / Am: / In: HTC RE Camera, News, Testberichte

HTC RE Camera

Im Oktober letzten Jahres stellte der taiwanische Hersteller HTC in New York neben dem Desire EYE das Foto- und Video-Gadget RE Camera vor. Die Reaktionen waren eher verhalten und erste Testurteile ließen nur wenig Gutes erahnen. Doch was kann der “Inhalator” wirklich und für wen eignet sich das Zubehörteil? Das und noch einiges mehr erfahrt ihr in unserem Test.

Design, Verarbeitung & Hardware

In den letzten Jahren hat HTC die Metamorphose von der Technik- zur Lifestyle-Marke vollzogen. Das sieht man nicht zuletzt an den Smartphone-Schmuckstücken des Unternehmens. Auch die RE Camera soll ein solches Lifestyle-Gadget sein, mit dem man sich gern auf der Straße zeigt. Auf den ersten Blick ist das Design etwas gewöhnungsbedürftig und Passanten schauen etwas verdutzt. Doch schaut man sich die Position der Bedienelemente an, so kann man die RE Camera* durchaus als ein ergonomisches Accessoires bezeichnen. Die Verarbeitung ist hochwertig und die Haptik sehr angenehm – auch wenn das Gadget aus Kunststoff daher kommt.

Der 1/2.3 Zoll große Bildsensor der RE Camera besitzt eine Auflösung von 16 Megapixel. Die Weitwinkel-Linse besitzt einen Aufnahmewinkel von 146° und eine etwas lichtschwache f/2.8 Blende. Videos können mit 30 Bildern pro Sekunde in FullHD-Auflösung aufgenommen werden. Außerdem gibt es einen Zeitlupen-Modus, in dem Aufnahmen mit 120 FPS in einer normalen HD-Auflösung (720p) aufgezeichnet werden können. Ebenfalls an Bord ist ein Zeitraffer-Modus. Per MicroSD-Karte beträgt der interne Speicher 8 GB. Der entsprechende Slot befindet sich auf der Unterseite, wie auch ein Standard-Stativgewinde sowie der MicroUSB-Anschluss zur Stromversorgung.

HTC RE Camera Unterseite

Smartphone-Einrichtung

Wurde der 820 mAh starke Akku das erste Mal geladen, so kann die Foto- oder Video-Aufnahme direkt beginnen. Mehr Kontrolle beim Knipsen bietet allerdings das Verbinden mit einem Mobiltelefon. Dafür ist die HTC-eigene Anwendung “RE” notwendig, die sowohl für Android als auch für iOS-Geräte im jeweiligen App-Store zur Verfügung steht.

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RE App
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App Store
Entwickler: HTC Corporation
Preis: Kostenlos

Die Verbindung zwischen Smartphone und RE Camera wird über WLAN aufgebaut. Beim ersten Starten muss dazu ein Netzwerkname sowie Passwort festgelegt werden, um einen fremdartigen Zugriff zu verhindern. Nach wenigen Sekunden ist der Kontakt zum Mobiltelefon hergestellt.

Bedienung

Wie bereits erwähnt kann die RE Camera als Standalone-Gadget ohne Smartphone genutzt werden. Das erste Ungewöhnliche ist, dass die Kamera keinen On/Off-Button besitzt. Dafür gibt’s allerdings Sensoren, die registrieren, wann die RE Camera in die Hand genommen wird. In diesem Standby-Modus kann der obere Hauptbutton gedrückt und ein Foto geschossen werden. Leider nerven die Verzögerungen zwischen dem Betätigen des Knopfes und dem letztendlichen Auslösen. Für Videos muss der Button länger gedrückt werden.

HTC RE Camera Rückseite

Durch langes vorläufiges Drücken des kleinen Buttons wird der Zeitraffer-Modus aktiviert. Fotos werden dann in einem bestimmten Rhythmus geschossen. Zur Kontrolle gibt es eine LED, die anzeigt, ob ein Foto gemacht (kurzes Aufleuchten) oder ein Video aufgenommen (Blinken) wird. Das Aufnehmen gestaltet sich hinsichtlich der Bildwahl als “gewöhnungsbedürftig”: Ohne Smartphone kann man nur erraten, welcher Bildausschnitt gerade auf der Speicherkarte aufgezeichnet wird.

Nutzt man die RE-App ist die Bedienung um etliches komfortabler und umfangreicher. Das Smartphone dient dann als Kontrollbildschirm und die Bilddaten werden “live” per WLAN gesendet. Im Menü kann der Nutzer zwischen den drei Aufnahmearten Foto, Video und Zeitraffer wählen. Der Zeitlupen-Modus befindet sich etwas versteckt im Video-Menü. Sind die Bilder geschossen oder abgedreht, kann direkt auf den internen Speicher zugegriffen und Dateien auf das Mobiltelefon übertragen werden. Das geht recht fix von der Hand und die Aufnahmen landen in voller Auflösung auf dem Smartphone. Für Zoe-Fans gibt’s eine direkte Integration, sodass die Kunstwerke direkt erstellt und geteilt werden können (Beispiel-Exemplar).

HTC RE App

Des Weiteren kann über die RE-App auf Einstellungen wie Foto- oder Videoauflösung zugegriffen werden. Auch der Wählbutton für den Ultraweitwinkel versteckt sich dort. Wie auch für die Mobiltelefone bietet HTC eine Online-Sicherung an – zwischen Dropbox und Googles GDrive kann gewählt werden. Ein besonderes Feature ist der Live-Streaming-Modus. Damit können Inhalte, wie der Name schon sagt, live auf die Video-Plattform Youtube gestreamt werden. Obacht sollten jedoch Nutzer mit einem kleinen Datenvolumen geben: Der Datenverkehr läuft währenddessen über das Mobilfunknetz und so können schnell etliche Megabyte verbraucht werden.

HTC wirbt mit einem staub- und wassergeschützten Gehäuse nach IP57. Bei unserem Wassertest wurde das Gerät jedoch automatisch in den Standby-Modus versetzt und dementsprechend keine Bilder aufgenommen. Nach rund 1.200 Aufnahmen soll das Gerät akkuseitig schlapp machen, rund 100 Minuten Film sind möglich. Diese Daten entsprechen im Großen und Ganzen der Realität, wobei die mögliche WLAN-Verbindung mit dem Smartphone eine wichtige Variable darstellt.

Um einen Eindruck von der Bildqualität der RE Camera zu erhalten, gibt’s in der folgenden Galerie einige Testaufnahmen – sowohl In- als auch Outdoor. Schnell wird deutlich, dass die Kamera bei schlechten Lichtverhältnissen schnell an ihre Grenzen stößt und ein Rauschen sichtbar ist. Außerdem erkennt man die hohe Brennweite des Linsenmoduls an unscharfen Nah-Aufnahmen. Problematisch ist dabei, dass man kein akustisches Feedback bekommt, ob ein scharfes Bild entsteht. Wer die Fotos in voller Qualität betrachten will, sollte einen Blick in unseren GDrive-Ordner werfen.


Für Video-Fans haben wir einige kurze Testsequenzen aufgenommen, die ihr in folgendem Video betrachten und euch ein Urteil von der Qualität machen könnt. Die entsprechenden Modi sind in der rechten unteren Bildecke vermerkt.

Fazit

Die RE Camera* stellt für HTC der Start einer neuen Produktkategorie dar. Doch so interessant die Idee hinter dem Gadget ist, so unklar ist die Zielgruppe. Für Sportfreaks und GoPro-Fetischisten ist die Framerate mit 30 Bildern pro Sekunde einfach zu niedrig, für Fotofans fehlt es an Bildqualität und Detailtreue – vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen. Als Plus kann man der RE Camera die Schnappschuss-Fähigkeit gut schreiben: Innerhalb weniger Augenblicke ist das Gadget einsatzbereit und die Aufnahme im Kasten. Für den mobilen Einsatz kommen das geringe Gewicht und die kompakten Abmaße zu Gute. Auch in Sachen Zubehörteilen gibt es nichts zu Meckern: Von Lenkerhalterungen über Kopf- und Kfz-Halterungen bis hin zu Ladestationen bleiben kaum Wünsche offen. Leider hatten wir für unseren Test keines der erwähnten Hilfsmittel zur Verfügung.

Etwas happig ist wiederum der Preis: Für die angesagten 149 Euro* hätte es doch ein besserer Sensor und 60 FPS-Unterstützung sein können. So ist die RE Camera eine elegante, stylische Erweiterung zum Smartphone, die schnell bereit ist und anspruchslosen Action-Filmern eine erste Basis bietet – nicht mehr und nicht weniger.

Wie gefällt euch die RE Camera und was sagt ihr zur Bildqualität?

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  • Sebastian

    Hi, als ein HTC Fan habe ich mir die Kamera bereits gekauft, als die erste Exemplare in die Läden antrafen.
    Ich finde die Super! Bin zwar kein extrem-Sportler und ebenfalls kein Profi-Fotograf aber nutze die Kamera sehr oft beim Spaziergehen mit meinem Hund oder einfach spontan wenn ich unterwegs bin. Auch die Zeitraffer Aufnahme ist richtig einfach und sieht am Ende sehr interessant aus! zum Beispiel im Auto. Die Zeitraffer macht allerdings nur mit einer Ladestation Sinn.

    Was ich aber bzgl eures Berichts anmerken wollte:
    Videos lassen sich bei meinem Exemplar deutlich unkomplizierter drehen als ihr das beschreibt. Und zwar langes drucken auf die große Taste startet Video. Kurzes macht Foto.
    Die kleine Taste vorne dient zum slowmotion Video (lang drucken, dann leuchtet blaue LED. Danach langes drucken auf die große Taste vorne startet slowmotion).
    Ich habe RE auch unter Wasser (im See) getestet und Fotos ließen sich (ohne Handy) auch ohne Probleme machen. Die Kamera war allerdings einsatzbereit (da ich die in der Hand gehalten habe) bevor ich sie untergetaucht habe.

    Ich bin mit RE voll zufrieden und konnte als Normal-Anwender gute Erfahrung damit machen. Bildqualität ist für mich mehr als in Ordnung. Schade nur, dass es keine WP- app gibt.

    Beste Grüße!

    • http://jonas-haller.de/ Jonas

      Du hast Recht, das war ein Fehler meinerseits mit dem Drücken des kleinen Buttons. Wurde direkt im Artikel verbessert. Hatte die RE Camera größtenteils mit dem Smartphone genutzt.