Stilsicherer Scheinbolide? HTC One A9 im Test

Von: Jonas / Am: / In: HTC One A9, Testberichte

20151024-HTC-One-A9-Front

Mit der neuen A-Serie innerhalb der One-Modellreihe will HTC mit einem kompromisslosen Design vor allem stilbewusste Käufer ansprechen. Kritiker bemängeln jedoch die schwachen inneren Werte. Rechtfertigt die gebotene Hardware den stattlichen Preis? Wir haben in den letzten beiden Wochen das Oberklasse-Telefon im Alltag getestet und möchten über unsere Erfahrungen berichten. 

Design und Verarbeitung

Wie bereits im Ersteindruck geschildert, überzeugt das Design auf ganzer Linie. Mit seinen Abmessungen von 145,75 x 70,8mm und einer Dicke von 7,26 mm liegt es für ein Gerät mit 5 Zoll Display gut in der Hand. Die Ecken sind angenehm abgerundet – so auch das Displayglas von Corning, das in der besonders widerstandsfähigen vierten Version zum Einsatz kommt. Links befindet sich die beiden Slots für Nano-SIM sowie die Speichererweiterung per micro-SD-Karte.

Negativ fiel im Test die Platzierung des Mono-Lautsprechers auf. Beim mobilen Spielen kam es manchmal vor, dass das Modul vom Handballen abgedeckt wurde. Ästheten dürften zudem die nicht zentrale Anordnung des microUSB-Anschlusses bemängeln. Die Kamera auf der Rückseite steht rund einen Millimeter hervor, was sich jedoch im Alltag nicht weiter störend auswirkt. Das Gehäuse ist typisch für die One-Reihe aus Aluminium gefertigt und vermittelt einen sehr hochwertigen Eindruck.

20151024-HTC-One-A9-Back

Natürlich hat diese Materialwahl auch die ein oder anderen Nachteile. So kann es vorkommen, dass das One A9 hin und wieder aus den Händen gleitet. Zwar leitet das Metall Wärme vorzüglich und dient der Kühlung, allerdings wird die Rückseite dadurch auch wärmer als die Kunststoffkonkurrenz. Diesen Mangel vom One M9 konnten die Taiwaner beim A9 aufgrund anders gewählter Komponenten beheben. Dazu aber später mehr.

Auch bei der Verarbeitung lässt sich HTC nicht lumpen. Die Rückseite scheint aus einem Guss, der Übergang zur Frontseite und dem Displayglas weist keinerlei Spalt auf. Auch die Lautstärke-Wippe auf der rechten Seite hat einen angenehmen Druckpunkt und wackelt nicht. Der darunter platzierte Power-Button ist geriffelt und kann blind gefunden werden – klappern Fehlanzeige.

20151024-HTC-One-A9-Lautstaerke-OnOff

Display

In den letzten Jahren setzten die Ingenieure von HTC ausschließlich auf SLCD-Panels. Umso überraschender ist, dass beim One A9 ein AMOLED-Display verbaut ist. In den ersten Teststunden war es doch etwas gewöhnungsbedürftig damit zu Arbeiten, da zwar Schwarzwert, Farbintensität sowie Helligkeit deutlich besser als beim LCD-Pendant sind, die Farben jedoch leicht verfälscht wiedergegeben werden. Nach kurzer Zeit hat man sich daran jedoch gewöhnt.

Das 5 Zoll große Display löst mit Full HD (1920 x 1080 Pixel) auf und bietet damit eine Pixeldichte von 440 ppi. Das ist im Alltag mehr als ausreichend und schont gegenüber den Einsatz von 2K-Displays den Akku spürbar. Vor allem Outdoor macht sich das AMOLED-Prinzip in Sachen Displaylesbarkeit bemerkbar: Das Panel ist deutlich besser lesbar als ein LCD-Modul. Auch die Blinkwinkelstabilität ist überlegen.

Performance und Speicher

Zu den großen Kritikpunkten zählte bei der offiziellen Präsentation die integrierte Hardware, also Prozessor, Arbeitsspeicher und interner Speicher. So kommt der Octa-Core-SoC Snapdragon 617 von Qualcomm mit einer Taktleistung von 4 x 1,5 GHz und 4 x 1,2 GHz zum Einsatz. Auf dem Papier kommt der Chip nicht an die Leistung des High-End-Bruders Snapdragon 810 heran, kann dafür aber mit besonders energiesparenden Eigenschaften glänzen. Im Alltag konnte man mit dem One A9 keine Unterschiede zum großen Bruder One M9 feststellen. Im Gegenteil: Das Modul entwickelt deutlich weniger Wärme und ermöglicht so deutlich angenehmeres mobiles Datteln – auch aktueller Titel wie FIFA 16 oder NFS No Limit. Minimale Ladezeiten sind zu verschmerzen.

HTC One A9 AnTuTu

Nichtsdestotrotz liegen die Werte im AnTuTu-Benchmark unter denen der High-End-Konkurrenz von Samsung, Sony und Co. 41400 Punkte konnten erreicht werden. Im Grafik-Benchmark GFX Bench kam das Oberklasse-Telefon ebenfalls auf durchschnittliche Werte, die sich in der Praxis jedoch kaum bestätigen ließen. Auch hier überzeugte das One A9 mit einer flüssigen Darstellung. Positiv fiel die Arbeitsgeschwindigkeit insbesondere beim Multitasking auf. Sorgen angesichts des geringen Arbeitsspeichers von 2 GB sind also unbegründet – an die Grenzen stießen wir in den letzten beiden Wochen nie.

Etwas mager fällt jedoch die Kapazität des internen Speichers aus. Nach Inbetriebnahme stehen rund 10 GB zur freien Nutzung zur Verfügung, die je nach Anwendung recht schnell belegt sind. Abhilfe schafft eine microSDXC-Karte, die in Android 6.0 Marshmallow erstmals als interner Speicher konfiguriert werden kann. Das Betriebssystem entscheidet dann selbstständig welche Dateien wo landen – im Dateimanager wird der Verbund als ein Speicher angezeigt. Eine feine Sache, wenn man das Gerät produktiv nutzt. Einziger Nachteil: Die SD-Karte funktioniert bis zum nächsten Defragmentieren nur mit dem einen Smartphone und sollte natürlich nicht entnommen werden.

Kamera

Die Kamera stellte in den letzten Jahren das Problemkind der Premiumserie One dar: Die Module boten zwar jeweils interessante Innovationen, überzeugten letztendlich in der Bildqualität nur mäßig. Das wollten die Taiwaner nun beim One A9 ändern. Und was soll ich sagen: Sie haben es echt geschafft. Der 13 Megapixel-Sensor, der Gerüchten zufolgen von Sony stammen soll, erledigt in Zusammenarbeit mit dem sechsteiligen Linsensystem die Arbeit mehr als ordentlich. Die Aufnahmen sind scharf und farbtreu.

HTC One A9 Fotoverbesserung

Besonders der RAW-Modus hat es uns angetan: Bilder bieten dann einen noch größeren Dynamikumfang und können per Ein-Klick-Verbesserung aufgewertet werden. Natürlich kommt das Modul bei schlechten Lichtverhältnissen irgendwann an seine physikalischen Grenzen, aber das ist zu verschmerzen. Für die Ausleuchtung sorgen dann zwei LED-Leuchten, die eine unterschiedliche Farbtemperatur besitzen und so Farbechtheit garantieren.

Im Segment der Bewegtbilder erweitert HTC den üblichen Funktionsumfang (1080p-Video, 240 fps-Zeitlupe) um eine Hyperlapse-Funktion. Der Zeitraffer-Modus erlaubt verwacklungsarme Aufnahmen, die durch den neuen optischen Bildstabilisator (Lense-Shift) sowie Gyroskop-Unterstützung seines Gleichen suchen. Anschließend können die Aufnahmen in der Zoe-App zu tollen Collagen zusammengeschnitten werden. Weitere Testaufnahmen gibt’s in der folgenden Galerie.

Sound

Seit dem One M7 kann das Sound-Segment wohl als Paradedisziplin der Taiwaner angesehen werden. 2013 führte HTC Stereo-Frontlautsprecher, die man noch heute bei der Konkurrenz kaum findet. Umso unverständlicher ist es, das beim neuen One A9 lediglich ein Mono-Speaker zum Einsatz kommt. Der befindet sich unglücklicherweise auf der Unterseite des Telefons, was beim mobilen Zocken oder Videoschauen zum Abdecken führt. Auch die Klangqualität hängt der des BoomSound-Systems hinterher. Für mich persönlich unverständlich, da selbst die Mittelklasse-Serie Desire teils die hochwertigen Frontlautsprecher nutzt.

Deutlich besser klingt das Smartphone mit den richtigen Kopfhörern, die als Zubehörteil direkt bei HTC geordert werden können. Dank Hi-Res-Audio und Dolby- sowie 24-Bit-Unterstützung können mehr Details als bei herkömmlichen Sound-Chips gehört werden. Im Vergleich mit dem One M7 ist der Sound meiner Meinung wirklich besser und schon man nach einigen Tagen Nutzung will man das Feature nicht mehr missen. Hier ist sicher einiges an Subjektivität dabei, vor dem Kauf sollte man also nach Möglichkeit die Funktion einmal selbst ausprobieren.

Fingerabdruckscanner

Mit Android 6.0 Marshmallow bietet Google erstmals eine umfangreiche Fingerabdruckscanner-Unterstützung an – unter anderem für die Identifikation beim zurzeit nur in den USA verfügbaren Bezahlservice Android Pay. Auch HTC-Kunden sollen in Zukunft diese technischen Möglichkeiten nutzen können und so kommt erstmals auf der Vorderseite ein solches Panel zum Einsatz.

20151024-HTC-One-A9-Fingerabdruckscanner

Das Modul arbeitet durch einfaches Fingerauflegen. Bei der Konfiguration des Geräts können bis zu fünf Finger hinterlegt werden. Das Entsperren soll so deutlich schneller, aber auch sicherer vonstatten gehen. Wichtig ist, dass man den Finger kurz auf dem Scanner lässt, sodass ihn das System erkennen kann. Zu Beginn führte das zum ein oder anderen Fehlversuch, den Kniff hat man dann aber schnell raus. Insgesamt arbeitet das Panel sehr zuverlässig und man gewöhnt sich schnell an diese Funktion. Positiver Nebeneffekt: Der Scanner fungiert zudem als physischer Home-Button und kann nach dem Entsperren auch von anderen Fingern genutzt werden.

Akku

Unter der Alu-Haube versorgt ein 2.150 mAh starker Lithium-Akku das Smartphone mit Strom. Auf dem ersten Blick scheint das zu wenig, doch nach wenigen Tagen Nutzung zeigte sich, das dem nicht so ist. In der Praxis kam man mit einer Ladung locker und leicht über den Tag. Möglich macht das neben der effizienten Hardware auch das energiesparende Betriebssystem. Spürbar ist das vor allem am Doze-Mode, der App-Aktivitäten bei Wenig-Nutzung zurück fährt. Dabei wird das Gerät natürlich trotzdem mit Benachrichtigungen versorgt. Zusätzlich kann über die Einstellungen des Telefons eine umfassende Akku-Optimierung konfiguriert werden. Im PC-Mark Akku-Benchmark erreichte das One A9 einen Wert von 7:36 h und liegt damit zwar im Bereich des Google Nexus 6, allerdings hinter der aktuellen High-End-Konkurrenz aus Japan, China oder Südkorea.

20151107-HTC-One-A9-PCMark-Battery

Zum Aufladen steht ein microUSB-Anschluss zur Verfügung, der das Modul per mitgeliefertem 1,5A-Netzteil in knapp 2 Stunden auflädt. Optional kann ein Rapid-Charge-Netzteil geordert werden, welches das One A9 in etwas mehr als eine Stunde auf volle Leistung bringt. Zurzeit wird dabei lediglich Quick Charge 2.0 unterstützt, per Software-Update soll in den nächsten Wochen Quick Charge 3.0 auf dem Telefon landen.

Software

Im neuen HTC-Oberklasse-Telefon kommt erstmals Googles neue Android-Version 6.0 Marshmallow zum Einsatz. Zusätzlich läuft die bekannte Nutzeroberfläche Sense 7.0 inklusive dem Newsstream Blinkfeed auf dem Gerät. Optisch hat sich wenig gegenüber dem One M9 mit Android 5.1 getan. Der App-Drawer kommt im bekannten Look daher, Anwendungen können bequem in Ordner sortiert und nach Belieben angeordnet werden. Leider kommt die Benachrichtigungsleiste im Stock-Android-Design daher und kann mit Bordmitteln leider nicht mehr auf die persönlichen Vorlieben angepasst werden.

20151107-HTC-One-A9-Android-60

Apropos angepasst. HTC liefert natürlich auch die umfangreiche Themes-App mit, die das Telefon mit einem individuellen Erscheinungsbild ausstattet. Dazu kann auch auf eine Datenbank zurückgegriffen werden, die mittlerweile Tausende Nutzer-Themes beinhaltet. Die Taiwaner liefern zudem die ein oder andere vorinstallierte App mit: Größte Neuerung ist dabei die Kooperation mit “News Republic”, einer News-App, die sich dem Leseverhalten anpasst und entsprechende Nachrichten anzeigt. Insgesamt sind allerdings auch im App-Bereich Googles Restriktionen sichtbar – mehr Apps des Unternehmens aus Mountain View wie Docs/Präsentationen/Tabellen, Notizen oder auch der Chrome-Browser sind vorinstalliert. HTC Internet, Notizen oder Aufgaben fehlen.

Fazit

Die Titelfrage lässt sich nur schwierig beantworten und dürfte nach den Anforderungen variieren. Stilsicher ist das One A9* unserer Meinung nach besonders in Sachen Design. Was HTC hier abliefert ist alle erste Sahne und die Verarbeitungsqualität auf höchstem Niveau – Fehler sucht man hier vergebens. Auch beim täglichen Nutzen gibt es im Bereich der Arbeitsgeschwindigkeit und der Akkulaufzeit kaum Probleme. Das One A9 ist dabei flott unterwegs, das neue Android-System ressourcenschonend. An die Grenzen stößt das Telefon jedoch beim internen Speicher. 16 GB sind hier einfach zu wenig – besonders wenn man hier und da (RAW-)Fotos schießt und Videos aufnimmt. HTC integriert jedoch einen schnellen microSDXC-Karten-Slot, der dieses Manko verschmerzen lässt. Googles neues Speichermanagement tut hier sein übriges.

20151024-HTC-One-A9-Kamera

Richtig klasse fanden wir das verbaute Kamera-Modul: Der 13-Megapixel-Sensor verrichtete seine Arbeit bravourös und die Aufnahmen können sich wirklich sehen lassen. Besonders beeindruckte die Farbintensität und Schärfe im RAW-Modus, den alle Nutzer als Standard eingestellt haben sollten. Was HTC in Sachen Kamera verbessert hat, wurde beim Lautsprecher verschlechtert. Das Modul befindet sich auf der Unterseite und bietet nur dürftigen Mono-Sound. Ein anderes Bild ergibt sich beim Nutzen von In-Ear-Ohrstöpseln oder On-Ear-Muscheln: Dann bietet die 24-Bit-Unterstützung glasklaren Klang und tolle Bässe. Das Gesamtpaket One A9 bekommt von uns eine echte Kaufempfehlung – wer denn bereit ist dafür 550 Euro* zu berappen. Denn das dürfte wohl der größte Nachteil sein: Der angesichts der auf dem Papier schwachen Hardware doch recht hohe Preis.

Wie gefällt euch das One A9 und würdet ihr euch das Oberklasse-Telefon zulegen?

HTC One A9 bei Amazon kaufen*

*Partnerlink

Tags: , , , , , , , , ,

Hat dir der Artikel gefallen?
Dann teile ihn doch mit deinen Freunden: